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2008
Schenefeld
Eine Kritik aus dem Schenefelder Tageblatt, geschrieben am Freitag, 20.06.08 von Eike Pawelko
Prägnant und mit Pfeffer durch die leichte MuseSchenefeld: „Operettenchor Hamburg“ liefert Galavorstellung
Sie sind schon auf hohem Niveau gestartet. Und sie werden immer besser. Das bewiesen die Akteure des „Operettenchors Hamburg“ bei ihrer Galavorstellung vor knapp 200 Besuchern im Forum.
Riesenkompliment an den „Operettenchor Hamburg“ und vor allem an dessen Chefin, Vollblut-Musikerin Doris Vetter. Sie stellt nicht nur hörbar hohe Ansprüche an das Ensemble., sie schafft es offenbar auch, ihre Leute immer wieder zu motivieren.
Das Ergebnis: Mehr als 40 Sänger klangen wie ein einziges großes „Instrument“. Hoch konzentriert reagierten die Amateure – denn das sind sie schließlich – auf die expressiven Gesten, mit denen Vetter ihre Intonationsvorgaben in die Luft malte. Das hartnäckige Feilen an Phrasierung und Dynamik hatte sich gelohnt: Der Gesamtklang wirkte noch sauberer, prägnanter und facettenreicher als im Jahr zuvor. Vom Zungenbrecher „Donner und Blitz“, einer Schnellpolka aus der Feder von „Walzerkönig“ Johann Strauß junior, bis zu den abschließenden „Operettenchor-Highlights“ mit Ohrwürmern des Genres von „Gräfin Mariza“ bis „My Fair Lady“.
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„Gefangenenchor“ von Verdi im Original
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Auch die Überzeugungsarbeit Vetters in Sachen Sprachwahl zahlte sich aus. Statt wie gehabt auf Deutsch trällerte die Truppe Verdis „Gefangenenchor“ und seinen „Zigeunerchor“ aus dem „Troubadour“ im Original. Fließend den ersten, mit Pfeffer den zweiten. Gut gemacht: Im Original wirken zarter Schmelz und Dramatik italienischer Opernklassiker einfach besser. Und den Inhalt der Stücke erläuterte Vetter auf Deutsch. „Ich bin richtig stolz auf den Chor“, gestand eine strahlende Dirigentin. „Heute haben sie das zum ersten Mal auf Italienisch gesungen.“
In glänzender Form präsentierten sich die Solisten, allesamt Opernprofis. Bettina Rösels Sopran leuchtete, Andreas Michalzik ließ seinen vollen Tenor strahlen. Nur Bassbuffo Friedhelm Brill musste kürzer treten: Eine Erkältung hatte seine Stimmbänder angegriffen. Immer auf Augenhöhe mit Chor und Solisten: Pianistin Marina Komissartchik, die aus dem angejahrten Bechstein-Flügel des Forums herausholte, was ging.
Der „Operettenchor“ ist seinem ursprünglichen Repertoire längst entwachsen. Zwar dominierten im zweiten Teil die Ohrwürmer des Genres vom „Schwarzwaldmädel“ bis zum „Bettelstudenten“. Doch vor der Pause brillierten nicht nur die Profis, sondern auch die perfekt auf sie abgestimmten Amateure mit Kostproben aus dem ernsteren Fach, etwa mit dem „Chor der Landleute“ aus Bedrich Smetanas Oper „Die verkaufte Braut“.
Der „Operettenchor“ tritt mit einem Galaprogramm verstärkt durch Symphonieorchester, Solisten und Ballett am 6. September in Norderstedt und am 7. September in der Hamburger Laeiszhalle auf. Karten dafür kosten zwischen 15 und 49 Euro. (paw)